Geschichte

ca. 3000 vor Christus
Im Dobergmuseum, Bünde Nr. 2002/54 liegt eine Hammeraxt aus einem hellen Vulkanit, die in Besenkamp gefunden
wurde und aus der Zeit der Michelsberger-/Trichterbecherkultur stammt. Sie ist ca 5000 Jahre alt und wird im Buch von Cajus Dietrich
“Die Jngsteinzeit im Kreis Herford” beschrieben.

Um 1000 nach Christus Erste Erwähnung
1971 wird ein Tympanon aus dem 11.Jahrhundert in der Stiftskirche
in Enger ausgegraben. Es zeigt eine Darstellung von Sonne, Mond und Lebensbaum. Am Rand ist die älteste Monumentalschrift Westfalens in deutscher Sprache zu lesen. Die Umschrift lautet:
“THNEHT WORT VAN PESSIRAN(?)VAN BISENCAMPE SAL HBBEN T(?)E MOLIN VAN BILICA SUB TEMPORE HOIERI”
Ins Hochdeutsche übersetzt bedeutet es: “Den Anteil an der gemeinen Mark von Päscherheide und von Besenkamp soll
haben die Mühle von Belke. Zur Zeit des Hoier.” .
Bedeutung des Namen Besenkamp
Kamp ist ein plattdeutsches Wort. Es ist angelehnt an dem
lateinischen Wort “Campus”. Es bedeutet “Feld” oder “Ebene”. Besenkamp bzw. Bisencampe übersetzt hieße dann “Bisen´s Feld”.
Heinrich Griese (1934) vermutet, dass Besenkamp aus der früheren Ortschaft “Benzencampe” und dem altsächichen Dorf “Wedemere” (später Wemmer, 2005 Unternbäumer) entstanden ist.
Besenkamp könnte nach dem ersten Ansiedler, der den Namen Biso trug benannt worden sein. Besenkamp hieße dann “Biso´s Feld”.
Der Dorfname “Wedemere” besteht aus dem mittelniederdeutschem Wort “Wede” = Wald und dem althochdeutschen “meri, mere” =
stehendes, seichtes Gewässer.
1342 Einkünfte des Stiftes Dionysius zu Enger
Zu den Einkünften gehören je 1 Schaf von 2 Höfen aus Besenkamp und von einem Hof aus Wedemere.
Ruffi in Besenkamp gibt 1. M.Roggen, 6 Sch. Gerste, 2 M.Hafer, 1 Schein oder 1.S., 2 Hühner.
um 1500
Die Besenkämper Bauern gehörten zum Amt Enger und deren Gerichtsbarkeit. Die Gerichtsstätte dieses Vogteigerichtes war in der
Nähe der Stiftskirche unter einer Linde.
Detert Welpmann aus Besenkamp und Schenne Bertmann wurden wegen Diebstahls verurteilt und auf dem “Bliggesberg”, heute Liesberg am Galgen erhenkt.
1558 Höfe aus dem Urbar der Grafschaft Ravensberg
Die Burschaft Bessenkamp ist Teil der Vogtey Engern im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg.
Das Urbar der Grafschaft zählt 23 Familien und Hofstätten für die Burschaft Bessenkamp auf.
Darunter sind viele Namen, die sich noch heute in Besenkamp finden lassen:
“Heinrich Maich, Ott Weelpman, Ludeke Lindeman, Steffen Goedecker, Herman Hillebrand,
Johan Godeker, Herman up dem Heimesaet,Herman Piper, Herman Steffen, Johan Ebeler,
Johan Kurkamp, Johan up dem Kamp,Heinrich Schroder, Albert Kleieman, Albert Klefmann,
Peter Kleiman, Gerke in der Schuyrstede, Johan uf dem Winkel, Gercke in den Ellern, Thewusch uf dem
Hagen, Tebbe bei dem Telgenbusch, Thoniß de Wemer und Herbert de Wemer.”
1650-1675 Protokolle der Vogtei Enger des Amtmanns Consbruch.
In den Protokollen werden auch Verhandlungen mit Einwohnern Besenkamps aufgeführt. Wer sich dafür interessiert, kann diese Protokolle im Rathaus von Hiddenhausen für einen Schnäppchenpreis von 2,50 Euro kaufen.
1781 Erste Dorfschule
1811 - 8.11.1813 Besenkamp ist Teil des französischen Kaiserreiches
1838 Tod eines Schmugglers
Der Heuerling Johann Christian Säger aus Besenkamp wird auf einem nächtlichen Schmugglergang an der Aa in Diebrock von der Grenzwacht, die vielfach durch Militär verstärkt war, erschossen.
Durch den Zusammenbruch der Flachsspinnerei
herrschte große Armut besonders bei den Heuerlingsfamilien und Kleinbauern.
Die Grenzen zum Königreich Hannover (hinter der Warmenau) und dem Fürstentum Lippe waren nicht weit. Die beiden Staaten gehörten nicht zum preußischen Zollverein. Dies und die Not der Menschen förderte den Schmuggel.
1848 - 1894 Dreißig Menschen aus Besenkamp wandern nach Amerika aus
3 Familien und 15 Einzelauswanderer verlassen Besenkamp. Es ist eine weitere Folge der wirtschaftlichen Not. Erst die Ansiedelung der Zigarrenindustrie
sorgte für eine Abschwächung der Auswanderungswelle.

1847 Zigarrenindustrie in Besenkamp
Hermann Heinrich Assbrock ist der erste Zigarrenmacher Besenkamps.1854 baut er für die Bünder Firma Wellensiek eine Filiale in Besenkamp in zwei Kotten auf.
1876 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr von Besenkamp
1909 Verkoppelung verändert das Dorf
In nur wenigen Wochen verändert sich das Gesicht des Dorfes. Die verschiedenen kleinen Fluren werden zu großen Feldern zusammengelegt, um wirtschaftlicher ackern zu können. Das Feldwegenetz wird von vormals geschwungenen Wegen schachbrettartig. Bei dieser Verkoppelung bzw. Flurbereinigung der Felder gibt es Gewinner und Verlieren,
weil jeder zwar die ha-Anzahl behält, aber das Land unterschiedlich gute Qualität besitzt. Bei Erdbrügger findet am 27. und 28.November 1908 ein Treffen mit dem Landvermesser statt, wo alles unter Leitung des Vorstehers der Gemeinde, dem Kolon Heinrich Grundmann, besprochen wird.

1911 Einweihung der Volksschule an der Friedrichstraße
1913 Gründung des Turn und Sportvereins TUS Germania Besenkamp
1914-1918 1. Weltkrieg
Im ersten Weltkrieg sterben 38 Besenkämper. Ihre Namen sind am Kriegerdenkmal verzeichnet, daß ca. 1920 gebaut und eingeweiht wurde.


Bitte Bild anklicken!
1925 Gründung des Schützenvereins Nordengerland im Gasthaus “Zum Winkel”
1933 Machtergreifung durch die Nationalsozialisten
Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 entfallen in Besenkamp an Stimmen auf die SPD 43,8%, der NSDAP 34,8%, der KPD 10,8%,der Kampffront SWR(mit DNVP) 7,7%, der DVP 0,7% und den Sonstigen 2,1 %.
Damit gehört Besenkamp zu den wenigen Orten im Kreis Herford, in denen die rechten Parteien um die Nationalsozialisten keine Mehrheit bekamen. Bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 hatte auch die SPD die Mehrheit in Besenkamp. Am 30. März 1933 wurde Walter Haubrock (SPD) erneut zum Gemeindevorsteher gewählt.
Doch die Wahl wurde vom Landrat von Borries nicht bestätigt und Haubrocks Gegenkandidat Heinrich Pieper (NSDAP) zum kommisarischen Gemeindevorsteher ernannt.
Am 11. Juli 1933 forderte der Landrat nach dem reichsweiten Verbot der SPD die SPD-Gemeinderäte Gieselmann, Haubrock und Kurkamp auf, ihre Mandate nicht weiter auszuüben, da dies eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstelle. Anderfalls würde die polizeiliche Inhaftnahme erfolgen (vgl. Sahrhage, Diktatur und Demokratie…,Seite 161).
Auch der Arbeiter Turn und Sportverein wurde verboten.
1939-1945 2. Weltkrieg
Im zweiten Weltkrieg lassen 43 Besenkämper ihr Leben.
24 Angehörige sterben von Flüchtlingsfamilien, die in Besenkamp eine neue Heimat finden.
ca. 1944 Bombe auf Winkelhof
An Besenkamp selbst geht der Krieg glimpflich vorüber. Es fällt nur einmal eine einzelne Bombe auf den Hofplatz am Winkelhof. Luise Wostbrock schreibt: Es war nachmittags, ich half bei Weimann auf dem Felde. Die Bombe fiel auf dem Hofplatz von Winkelmann ohne Opfer zu fordern.
Das Dach wurde aber zerstört.
Bei der kleinen Liselotte, die im Körbchen in der Stube lag,
war das Bettchen mit Glassplittern übersät.
Die nächsten Tage trat alles an, was helfen konnte,
um das Dach zu erneuern.”
1954 Industrie, Handel und Dienstleistungen
| In Besenkamp gibt es zwei Fuhrunternehmen, zwei Kohlenhändler,7 Schneidereien, 1 Sattlerei…. |
1955 Neubau der Kirche
Der Bezirk Steinbeck-Besenkamp der Ev. Kirchengemeinde Enger kauft die Besitzung Assbrock und baute aus dem Hof eine neue Kirche
1959 Einführung der Müllabfuhr in Besenkamp
Mit Pferd und Wagen startete Heinz Uffmann 1959 im Auftrag des Gemeinderates die Müllabfuhr.
Der Müll wurde bis 1969 in das Hagensiek in eine der sogenannten “Bürgermeisterkippen” verbracht.In dieser Zeit verdoppelte sich die Müllmenge.
1969 Gebietsreform - Besenkamp wird Teil der Stadt Enger
Der Gemeinderat Besenkamps war für die Bildung von Großgemeinden. Am 4.12.1966 verabschiedete der Landtag NRW ein Gesetz mit Wirkung für den 1.1.1969:
“§6 Die Gemeinden Belke-Steinbeck, Besenkamp, Dreyen, Stadt Enger, Herringhausen…,Oldinghausen, Pödinghausen, Siele und Westerenger werden zu einer neuen amtsfreien Gemeinde zusammengeführt. Die Gemeinde führt den Namen Enger und führt die Bezeichnung “Stadt”.
Trotz Eingemeindung wurde um symbolische Eigenständigkeit gekämpft. Dies ist sichtbar an den Ortsschildern. Besenkamp wird groß genannt. In Klein kommt dann erst Stadt Enger.
© Heinz-Jürgen Uffmann (Stand Dezember 2006)



